Ratgeber

Atemtechnik beim Sprechen. Das Fundament der Stimme.

Beim Sprechen trägt die tiefe Atmung in den Bauchraum die Stimme, während eine hohe, flache Atmung sie dünn und gepresst klingen lässt.

Fast jedes Stimmthema führt früher oder später zur Atmung. Im Training beginne ich meist bei der Atmung. Dein Körper beherrscht die tiefe Atmung längst. Im Liegen und im Schlaf atmet jeder Mensch richtig.

Beim Sprechen atmest du seltener

7,6 statt 14

Sobald Erwachsene frei sprachen, atmeten sie nur noch 7,6 Mal pro Minute. In Ruhe waren es 14. Beim Sprechen atmest du also etwa halb so oft.

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Jeder einzelne Atemzug muss beim Sprechen doppelt so weit reichen. Genau deshalb geht vielen mitten im Satz die Luft aus, wenn sie hoch und flach einatmen. Wer tief atmet, hat Reserve für den ganzen Gedanken. Die Übungen in diesem Artikel setzen dort an.

Bernardi und Kollegen, BMJ 2001.

Porträt Christian Grollmann

Warum die Atmung über den Klang entscheidet

Die Stimme entsteht aus strömender Luft. Deshalb bestimmt die Atmung Klang, Ruhe und Ausdauer beim Sprechen.

Ohne Luftstrom kein Ton. Wie gleichmäßig dieser Strom fließt, hörst du in jeder Silbe. Wer mit wenig Luft spricht, presst die Stimme und klingt angestrengt. Wer hektisch nachschnappt, zerhackt seine Sätze und wirkt getrieben. Eine tiefe, gleichmäßige Atmung dagegen gibt der Stimme ein stabiles Fundament, hörbar als voller Klang und spürbar als Gelassenheit.

Hochatmung und tiefe Atmung im Vergleich

Bei der Hochatmung heben sich Schultern und Brustkorb. Bei der tiefen Atmung, oft Bauchatmung genannt, dehnt sich der Bauchraum. Nur die tiefe Variante trägt lange Sätze.

Leg eine Hand auf die Brust und eine auf den Bauch, dann atme ein. Bewegt sich vor allem die obere Hand, atmest du hoch, ein typisches Muster unter Stress. Kommt die untere Hand nach vorn, arbeitet das Zwerchfell, der zentrale Atemmuskel. Diese tiefe Atmung schafft mehr nutzbare Luft, hält die Schultern locker und lässt den Hals frei arbeiten.

Eine Grundübung für jeden Tag

Atme im Stehen durch die Nase in den Bauch ein und lass die Luft auf einem langen F wieder ausströmen. So trainierst du die Atmung fürs Sprechen.

Stell dich aufrecht und locker hin, eine Hand auf dem Bauch. Atme durch die Nase ein, bis sich die Bauchdecke hebt. Lass die Luft dann gleichmäßig auf einem F oder S ausströmen, so lange es ohne Druck geht. Wiederhole das fünfmal. In der zweiten Woche zählst du beim Ausatmen laut, später sprichst du ganze Sätze.

Pausen sind Atemstellen

Wer Pausen zulässt, gibt der Atmung Zeit zum Nachfüllen und dem Publikum Zeit zum Verstehen.

Viele Atemprobleme sind in Wahrheit Tempoprobleme. Wer ohne Punkt und Komma spricht, dem geht zwangsläufig die Luft aus, und die letzten Wörter eines Satzes fallen ins Bodenlose. Sprich in kürzeren Sinneinheiten und lass am Ende jeder Einheit eine kleine Pause zu. Die Luft kommt in diesen Momenten von selbst, ganz ohne hörbares Schnappen.

Typische Muster, die die Atmung stören

Hochgezogene Schultern, eingefallene Haltung und der Versuch, zu viel auf einen Atemzug zu sagen, sind die typischen Bremsen.

Unter Druck ziehen viele Menschen die Schultern hoch und spannen den Bauch an. Das blockiert die tiefe Atmung. Auch eine zusammengesunkene Sitzhaltung lässt dem Zwerchfell wenig Raum. Und wer nervös ist, will oft zu viel in einen Atemzug packen. Es hilft, vor wichtigen Sätzen bewusst auszuatmen, sich aufzurichten und die erste Silbe ohne Hast zu beginnen.

Wie Training darauf aufbaut

Im Sprechtraining verbindest du Atmung, Stimme und echte Sprechsituationen, bis die tiefe Atmung auch unter Druck hält.

Eine Übung zu kennen ist der erste Schritt, sie im Meeting oder am Mikrofon abrufen zu können der zweite. Wir üben mit deinen Texten und Situationen und machen den Unterschied über Aufnahmen hörbar. Bei anhaltender Atemnot, Schmerzen oder Stimmproblemen mit Krankheitswert gehört das Thema zuerst in ärztliche Abklärung. Training ersetzt keine Behandlung.

Atmung und Stimme zusammenbringen

Im Training spürst und hörst du, was die tiefe Atmung bei deiner Stimme verändert.

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