Ratgeber

Lampenfieber überwinden und frei sprechen.

Gegen Lampenfieber helfen Atmung, gute Vorbereitung und Routinen, die dem Körper Sicherheit geben. Unterdrücken funktioniert nicht.

Die Anspannung vor einem Auftritt kenne ich selbst. Als Off-Air-Moderator habe ich beim Hamburger Hafengeburtstag und beim Alstervergnügen vor Zehntausenden auf der Bühne gestanden. Lampenfieber ist keine Schwäche und kein Anfängerproblem. Es trifft erfahrene Bühnenmenschen genauso wie Kollegen im Montagsmeeting. Als Sprechtrainer in Hamburg zeige ich dir Mittel, die unspektakulär klingen und zuverlässig wirken.

Damit bist du nicht allein

21,2 %

Über 9.000 Erwachsene wurden gefragt, wovor sie im Leben schon einmal ausgeprägte Angst hatten. Reden vor anderen landete auf Platz eins von 14 sozialen Situationen, noch vor der Wortmeldung in der Besprechung.

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Jeder Fünfte kennt das also aus eigener Erfahrung. Lampenfieber ist damit keine persönliche Schwäche, sondern die verbreitetste soziale Angst überhaupt. Das Gute daran: Es ist ein bekanntes Muster mit bekannten Gegenmitteln, und genau die stehen in diesem Artikel.

Ruscio und Kollegen, Psychological Medicine 2008.

Porträt Christian Grollmann

Was Lampenfieber eigentlich ist

Lampenfieber ist eine normale Stressreaktion des Körpers, der eine wichtige Situation erkennt und Energie bereitstellt.

Herzklopfen, flache Atmung, feuchte Hände. Der Körper macht dich bereit, weil ihm die Situation wichtig ist. Das ist zunächst eine sinnvolle Reaktion und kein Defekt. Problematisch wird sie erst, wenn die Anspannung das Sprechen blockiert, die Stimme dünn wird oder Gedanken abreißen. Zwischen der Reaktion des Körpers und deinem Sprechen liegt ein Spielraum, und den kannst du trainieren.

Warum Dagegen-Ankämpfen nicht funktioniert

Wer Nervosität wegdrücken will, verstärkt sie meistens. Hilfreicher ist es, sie einzuplanen und ihr Aufgaben zu geben.

Der Satz „Sei einfach nicht nervös“ funktioniert bei niemandem. Aufmerksamkeit auf das Symptom vergrößert das Symptom. Erfahrene Redner planen ihre Nervosität deshalb ein. Sie wissen, dass die ersten zwei Minuten wackeliger sind. Den Einstieg bauen sie so, dass er auch nervös funktioniert. Sie geben dem Körper Aufgaben. Fester Stand, ruhige Atmung, bewusster Blick zu freundlichen Gesichtern.

Atmung als Soforthilfe vor dem Auftritt

Verlängertes Ausatmen beruhigt das Nervensystem und ist ein zuverlässiges Mittel kurz vor einem Auftritt.

Atme in den Minuten vor deinem Einsatz bewusst tief in den Bauch ein und deutlich länger aus als ein, zum Beispiel vier Zählzeiten ein und sechs bis acht aus. Ein paar Durchgänge reichen oft, damit Puls und Stimme sich spürbar setzen. Diese Übung funktioniert unauffällig am Platz, im Flur oder hinter der Bühne.

Vorbereitung, die Sicherheit gibt

Ruhe gewinnst du vor allem, wenn Einstieg und Schluss deines Auftritts sitzen und du den Ablauf einmal realistisch durchgespielt hast.

Du musst keinen Text auswendig lernen, aber die ersten Sätze solltest du sicher können, denn sie tragen dich über die wackligste Phase. Sprich den Auftritt mindestens einmal laut durch, im Stehen, gern mit Handyaufnahme. Lautes Üben deckt Stolperstellen auf, die beim stillen Lesen unsichtbar bleiben, und jede Wiederholung nimmt der Situation etwas von ihrer Neuheit.

Wenn der Faden reißt

Bei einem Blackout hilft eine gelassene Pause mit Blick in die Notizen mehr als jeder Versuch, hektisch weiterzureden.

Ein Blackout fühlt sich für dich dramatisch an und wirkt auf das Publikum meist wie eine nachdenkliche Pause. Nutze das. Atme aus, schau in deine Stichpunkte und wiederhole ohne Hast den letzten Gedanken. Dann kommt der Anschluss fast immer von selbst. Ein ehrliches „Ich sortiere mich kurz“ ist völlig in Ordnung und macht dich eher sympathisch.

Wann mehr dahintersteckt

Wenn Angst vor dem Sprechen den Alltag stark einschränkt, ist therapeutische Unterstützung der richtige Weg. Training ersetzt keine Therapie.

Training hilft bei Nervosität, Unsicherheit und fehlender Routine. Es hat aber Grenzen, und die gehören offen benannt. Wenn Angst dich seit Langem belastet, du Situationen großräumig vermeidest oder körperliche Reaktionen sehr heftig ausfallen, sprich mit ärztlichem oder psychotherapeutischem Fachpersonal. Das ist kein Makel. Es ist der Schritt, der dann wirklich hilft. Training kann eine solche Begleitung ergänzen, sobald die Basis stimmt.

Ruhig auftreten lässt sich üben

Im Training simulieren wir deine Situation so lange, bis sie ihren Schrecken verliert.

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